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Vertrauen – Teil 1 – Zeit der Unsicherheit 

Nach den ersten Monaten unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump ist vor allem eines sicher: Es gibt keine Sicherheit mehr. Mit seiner radikalen Dealmaker-Politik nach dem Prinzip «ungebührlich fordern, massiv drohen und so lange Druck aufsetzen, bis der Deal steht», versucht er überall zu holen, was ihm dienlich scheint: Geld, Einfluss, neue Landgebiete, Rohstoffe. Die USA muss ja „great“ werden und dazu haben nun alle anderen Staaten ihren Beitrag zu leisten. 

Freunde und Verbündete? Ein Relikt unrühmlicher Zeiten. Was zählt, ist der Sieg, die Durchsetzung. Negative Handelsbilanzen mit anderen Ländern sind Niederlagen und werden nicht mehr akzeptiert. Gute Beziehungen definieren sich rein über den Nutzen für Amerika und haben nur Bestand bei bedingungsloser Loyalität, ihm, dem Mächtigsten dieser Welt, gegenüber. Der Imperialismus ist zurück und mit Donald Trump wieder salonfähig.

Wenn Vertrauen bedeutungslos wird

a close up of a silver coin with a picture of president donald

Aber was ging hier eigentlich verloren? Wieso haben bisherige freundschaftliche Beziehungen keine Bedeutung mehr? Was für Donald Trump völlig nebensächlich ist, ist Vertrauen! Deals lassen sich nämlich mit allen machen, Freunden, wie Feinden. Das Einzige, was bei Deals am Schluss zählt, ist der Nutzen. Für den mächtigsten Mann der Welt ist Vertrauen keine Notwendigkeit. Gute Beziehungen basieren auf guten Verträgen. Vertrauen mag ganz nett sein, aber die Kontrolle (über andere) zu haben, das ist GREAT. 

Statt auf Vertrauen und Stabilität zu setzen, spielt Donald Trump lieber seine eigenen Trümpfe aus: Misstrauen und Unberechenbarkeit. Die neuen weltweiten Zölle sind ein Beispiel dafür. Alle Länder stehen plötzlich unter Generalverdacht, Amerika auszubeuten. Jene, welche mit Amerika noch Handel treiben wollen, müssen deshalb bei Donald Trump vorstellig werden. Mit Angeboten und Geschenken hofft ein jedes Land vom amerikanischen Zoll-Hammer verschont zu werden. 

Was bedeutet es aber für eine Gesellschaft, wenn ihr mächtigster Vertreter Misstrauen gegenüber anderen und Andersdenkenden zur obersten Maxime und Unberechenbarkeit zu einer Strategie macht? Kann eine Gesellschaft ohne gegenseitiges Vertrauen überhaupt funktionieren? Ist nicht Vertrauen das, was uns Menschen und unsere Gesellschaften zusammenhält, ja die zentrale Rolle dabei spielt?

Zu was Vertrauen gut ist

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Ich denke, Vertrauen ist für uns essentiell: Wenn Menschen zusammenkommen, ist Vertrauen jene Zutat, welche Kontakte zu Beziehungen reifen lässt und sie tragfähig macht. Als soziale Wesen brauchen wir Beziehungen. Vertrauen beseitigt Ungewissheit und macht aus Bekanntschaften Freund- und Partnerschaften und kittet diese. Das Mass an Vertrauen, an gewonnener Gewissheit, bestimmt denn auch, ob und wie stark wir aufeinander zugehen, wie lange wir zusammenbleiben oder eben uns meiden oder gar trennen.

Vertrauen ist in praktisch allen Lebensbereichen entscheidend. In der Politik, wenn die Vertrauensfrage für eine Regierung gestellt wird. In der Wirtschaft, wo Robustheit und Anpassungsfähigkeit Vertrauen schafft, den Besitzstand sichert und auf ein glimpfliches Durchstehen von Krisen hoffen lässt. Wir vertrauen unser Geld einer Bank an und gehen zur Handwerkerin oder Coiffeuse unseres Vertrauens und umgeben uns mit Vorteil mit Menschen, denen wir vertrauen.

Trotzdem haben wir ein eher zwiespältiges Verhältnis zum Vertrauen. Ein gesundes Misstrauen gegenüber Fremdem, Neuem und Anderem wird uns in die (schweizerische) Wiege gelegt. Das hat wohl mit den Vertrauensbrüchen zu tun, welche unsere Eltern, oder auch wir selber im Laufe des Lebens erfahren mussten: Indem wir „über den Tisch gezogen“, unser Vertrauen missbraucht und ausgenutzt wurden, weil wir den „falschen Leuten“ vertraut haben.

Aber mit Misstrauen und Unberechenbarkeit können wir auf Dauer nicht leben. Für ein ausgeglichenes und glückliches Leben brauchen wir die Stabilität des Vertrauten. Wir verfügen nicht über die Mechanismen und Strategien, um mit ständiger Unberechenbarkeit und Unsicherheit umzugehen. Wenn das Gegenmittel Vertrauen fehlt, wird uns unwohl und wir geraten in Unsicherheit und Hektik. Dies sehen wir auch an den Börsen, wenn die Kurse mit Berg- und Talfahrten reagieren und an den steil steigenden Goldpreisen, wenn Gold als sicherer Hafen für Vermögen angelaufen wird. 

Vertrauensverlust als Gesellschaftstrend

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Vertrauen basiert auf Vernunft, Routine und Erfahrungen. Ist unsere Welt nicht mehr von Vernunft geprägt oder zumindest nicht von dem, was wir aus gelebter Routine und gemachten Erfahrungen als vernünftig erachten, haben wir als Gesellschaft ein Problem: Menschen fangen an, sich nicht mehr zu verstehen, bekämpfen sich gegenseitig, werden krank, entfremden sich und Gesellschaften fallen auseinander. 

In vielen Ländern ist ein innergesellschaftlicher Vertrauensverlust deutlich spür- und sichtbar. Die neuen Unsicherheiten, festgemacht an Migration, wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Klimawandel und politischen Extrempositionen, schüren Ängste vor Fremdem, Neuem und der Zukunft und – vor dem Verlust der eigenen, persönlichen Sicherheit und des Wohlstands. 

Dies ist die Zeit der Konservativen und eher rechts gerichteten: Mit ihrem Rückzug auf die „alten Werte“ und dem rückwärtsgewandten Blick, möchten sie die Vergangenheit in die Zukunft retten und so Wohlbefinden und Vertrauen wieder herstellen.

Im gleichen Masse wird der Ruf nach starken Persönlichkeiten laut. Nach Leadern, welche die Ordnung wiederherstellen. Und es sind dann meist die populistischen Querköpfe, mit ihren einfachen Lösungen für komplizierte Sachverhalte, welche in der Politik das Rennen machen. Und Donald Trump ist der Prototyp eines Populisten.

Was auf Dauer dabei herauskommt, werden wir hautnah miterleben. Vertrauen wird damit aber schwerlich in unserer Welt geschaffen. Irgendwann müssen wohl auch die letzten glühende Anhänger:innen zur Kenntnis nehmen, dass es Donald Trump nie wirklich um ihre Interessen ging, sondern nur um seine eigenen.

Wie kann aber eine so verunsicherte Gesellschaft wieder Vertrauen aufbauen? 

Wir schauen uns im zweiten Teil dieser Artikel-Serie näher an, was Gesellschaften ausmacht und welche Rolle Abhängigkeiten beim Aufbau von Vertrauen spielen.

Was findest du? Ist gegenseitiges Vertrauen in unserer Gesellschaft wichtig oder reicht es, gute Deals, Verträge und genügend Geld zu haben, um unsere Ziele zu erreichen?

Bild von Werner Schuller

Werner Schuller

Eine Antwort

  1. Wo Vertrauen fehlt, macht sich die Konkurrenz breit. Das gilt es in vielen Bereichen zu entdecken.
    Einem Firmenchef, der das Konkurrenzieren gut fand, sagte ich, dass seine Firma in zwei Wochen pleite sei, wenn von allen Mitarbeitern verlangt in Konkurrenz zueinander zu arbeiten. Er musste beipflichten, weil innerhalb jeder Firma kooperiert wird. Und Kooperieren erfordert viel Verständnis für ein vertrauensvolles Miteinander. Andererseits schadet die auf Misstrauen setzende Konkurrenz jeder Firma. Deshalb wird sie so gut es geht eingedämmt. PolitikerInnen sollten beobachten wie Kooperation mit viel Vertrauen eine Firma aufblühen lassen. Sie werden sehen, dass das vertrauensvolle Kooperieren nicht nur für Firmen, sondern auch für Gemeinden, Länder, Kontinente und für die ganze Menschheit enorme Verbesserungen bewirken kann.

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